Die Beta-Statistik gegen den sozialen Baum

Dass Myspace, trotz des großartigen Updates von letzter Woche, immer noch
den Kürzeren gegenüber facebook zieht, mag ja mittlerweile keiner mehr bezweifeln,
doch warum es so gekommen ist, ist eigentlich gar nicht so offensichtlich.

Myspace scheint mittlerweile da angekommen zu sein, wo sich einst facebook fand.
Sich dem sozialen Netzwerk total unterordnend. Niemand glaubte daran, dass fb
irgendwann einmal Myspace einholen oder gar überholen könnte. Hat es aber. Grund
genug nachzufragen, warum dem so ist. Meiner Meinung nach hat die “downward spiral”,
die Myspace gerade beschreitet zwei primäre Gründe.

Der erste Grund ist das “Prinzip Beta”, welches ich, und wahrscheinlich mittlerweile
auch die restliche Weltbevölkerung, für ein Relikt aus alten Zeiten halte, welches endlich
zerstört werden sollte. Myspace schmückt sich immer noch mit dem Beta Gedanken.
Dass aber Beta-Software den Titel nur dann trägt, wenn sie noch keinesfalls ausgereift
ist, sondern sich in einer Probephase, denn genau dies bedeutet in der Softwareentwicklung
“Beta-Phase”, befindet, lässt den Schluss zu, dass Myspace einfach noch nie fertig war.
Momentan wird Myspace 3.0 stark vom Portal selbst beworben. Das unglaubliche daran ist,
dass für einen öffentlichen Test einer Internetseite geworben wird. Warum sollte ich da
mitmachen wollen?
Myspace ist eine Test-Seite. Nicht fertig. Beta. Und somit hat sie im Internet eigentlich
noch nichts verloren, denn der User von heute erwartet ein fertiges Produkt, nicht eines,
welches erst nach unzähligen Patches funktioniert, wie es eigentlich von den Entwicklern
gedacht war. Nebenbei mindert die Beta den Spaß an der Seite, denn Beta hat Fehler, die
das Surf-Vergnügen zunichte machen. Niemand will, dass unerwartet Leisten erscheinen,
Buttons verschwinden oder ganze Seiten einfach einem neuen Layout angepasst werden.
Zusätzlich ist es, dank Ausbau von CSS-Code, noch langsamer geworden und bringt sogar
Vier-Kern-Prozessoren in die Knie. Beta ist nicht fertig. und “Nicht fertig” sollte nicht online
sein. Das sollten sich auch einige Software- oder Spieleentwickler grün, blau und orange
hinter die Ohren schreiben.

Der zweite Grund ist die statistische Verarbeitung von Nutzern, Transfervolumen und Klicks.
Myspace ist eine riesige Statistik-Erfassung, die bei anderen Portalen mit Sicherheit auch
implementiert ist, jedoch nicht nach aussen gekehrt wird. Myspace gibt an, dass mehrere
Millionen Statusupdates über den Äther des Portals gegangen sind. Schön. Das gibt mir das
vage Gefühl, dass auf dem Portal etwas passiert. Ich heiße Myspace. Ich sage, dass ich
heute eine Millionen Posts generiert habe. Ich bin facebook, und sage genau das eben nicht.
Warum? Weil jeder weiß, dass hier nicht nur eine Millionen, sondern hunderte von Millionen
Statusupdates am Tag passieren. Niemand braucht diese Statistik, denn Statistik ersetzt
nicht das Gefühl in einem sozialen Netzwerk zu sein welches aktiv arbeitet. Ich möchte nicht
von einer Seite gesagt bekommen, dass es passiert, sondern will sehen, wie es passiert.
Deswegen bin ich bei facebook, gucke mir die Dinge an, welche die Anderen in ihren
Statuserneuerungen niederschreiben und verbreiten. Nicht weil ich sehen will, wie viele Leute
heute irgendetwas geschrieben haben, nein, weil mich interessiert, was meine Freunde und
Bekannten zu sagen haben, was sie interessiert und bewegt. Das ist soziales Netzwerken. Sozial.
Myspace versucht mit Statistik gegen das Soziale zu kämpfen und wird auch deshalb scheitern.

Um noch kurz auf die Notwendigkeit von Myspace für Bands zu sprechen zu kommen: Myspace
ist momentan führend was Bands, musikalische Verknüpfung, Filme und Comedy angeht, was nur
daran liegt, dass facebook niemanden explizit dazu einlädt ein Band-Profil zu erstellen. Das dies
mittlerweile jedoch für viele Bands überfällig ist, sollte klar sein, denn die User rennen von Myspace
und StudiVZ, welches denselben Beta-Fehler begeht wie Myspace, zu facebook, vernetzen sich dort
neu mit ihren Freunden und Bekannten, entdecken neue Musik und werden Fan von anderen Bands,
die Freunde und Bekannte empfehlen.
Denn entweder empfiehlt mir die Statistik eine Sache, oder eben ein Freund.

Ich als Freund, empfehle Ihnen, sich selbst Ihre Gedanken zu machen und dann auf meine Ausführungen
zu pfeifen. Sie sind ja so oder so schon bei facebook.

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