Ein Pamphlet

Ein Pamphlet.

Ich bin Werbetexter und habe Ideen. Das klingt erstmal gut, ist aber ein Hilfeschrei. Denn was soll ich mit den Ideen anfangen? Ich weiß es nicht mehr, denn in meinem Beruf sind keine Ideen gefragt, sondern Fließbandarbeit. Texte für Broschüren oder Flyer klingen alle gleich und sind vom Kunden immer gleich gewünscht. Welcher Kunde, das ist egal, denn die sind ebenso gleich – wollen auf verschrobene Weise verkaufen. Schneller Profit statt nachhaltige Wertschöpfung durch informativen und augenfreundlichen Text. Natürlich wird das nicht nach außen kommuniziert, sondern die minimalen Änderungen zum Umweltschutz etc.pp. breitgetreten. „Wir sind so umweltfreundlich, dass wir Regenbögen kotzen.“ Ja. 1000 mal gehört, 1000 mal hat’s nicht gestört – aber vom Hocker hat es auch keinen gehauen. Fazit: Texter ist eigentlich nicht mein Job. Genausowenig wie Grafiker, Photograph, Accounter, Barkeeper oder Gärtner.

Ich bitte die Werbeagenturen dieser Welt: Schafft für Leute wie mich einen neuen Job, der nicht „Praktikant“ heißt. Schafft den Job des „Denkers“. Jemand, der auf einen Job angesetzt wird und über Konzepte und Innovationen nachdenkt, diese niederschreibt oder zeichnet und dann zum Germanistik-Studenten geht, der das aufschreibt, als neue Form des Texters, der dafür da ist, dem Kunden ordentlich formatierten, eloquent geschriebenen und grammatikalisch korrekten Text hinzublättern, woraufhin dieser freudig Scheine blättern lässt. So die Theorie. Denker. Das wäre ein Job, der passt. Denn seitdem Ideen nicht gefragt sind im Bereich Text, interessiere ich mich nicht mehr dafür, was ich schreibe. Warum auch. Klingt nachher so oder so nicht gut, ohne Esprit und Charme.

Dazu muss ich erwähnen: Mir machen ungewöhnliche Dinge Spaß. Gedankenkonstrukte zu verschiedensten Themen – ausdenken, rumdenken, philosophieren, aufschreiben – nächstes Thema. Die Durchführung würde die Idee zerstören, entmystifizieren und in die Gosse der Langeweile schleudern. Die Lotusblüte in der ich gerade arbeite weist mich ab. Ich bin das Wasser. Und Wasser braucht man zum leben – und nicht gehaltlose Werbephrasen.

Danke. Pamphlet Ende.

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